„Es können dann auch Kinder Urlaub machen, die sonst zuhause bleiben müssten.“ Mit diesem und weiteren Gedanken haben 13 Kinder beim sechsten Kinderbeirat Erfurt entschieden, welche Angebote in der Stadt Unterstützung erhalten. Im Mittelpunkt stand dabei eine einfache, aber zentrale Frage: Was hilft benachteiligten Kindern wirklich im Alltag?
„Der Kinderbeirat zeigt eindrucksvoll, wie ernsthaft und verantwortungsvoll Kinder über gesellschaftliche Fragen entscheiden“, erklären Judith Drawz und Sybille Knothe, die ehrenamtlichen Koordinatorinnen des Kinderbeirats Erfurt, einem Projekt der BürgerStiftung Erfurt.
Die Kinder diskutierten die eingereichten Projektvorhaben intensiv. Dabei ging es nicht nur darum, welche Idee gefällt, sondern vor allem darum, welche Angebote wirklich etwas bewirken. Im Zentrum der Gespräche standen Fragen wie: Wer profitiert davon? Ist das Angebot verständlich aufgebaut? Und wie nachhaltig ist die Umsetzung?
Besonders deutlich wurde das beim Thema verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen. Die Kinder überlegten gemeinsam, wie bei Veranstaltungen geplant wird – etwa beim Essen – und was passiert, wenn zu viel eingekauft wird oder Essen übrig bleibt.
„Uns war wichtig zu wissen: Wird etwas weggeschmissen oder kann man es besser planen?“
So wurde Nachhaltigkeit nicht als abstraktes Thema behandelt, sondern ganz konkret aus dem Alltag heraus gedacht – als Teil der Entscheidung darüber, welche Angebote gefördert werden.
Am Ende entschieden die Kinder demokratisch per Mehrheitsvotum über die Verteilung der Mittel.
Im Ergebnis wurden folgende Vorhaben gefördert:
- 1.000 Euro gehen an das Jesus Projekt Erfurt für „Bärenstark“ (Nachhilfe durch Mentoring)
- 1.000 Euro erhält der Deutsche Familienverband Thüringen für einen inklusiven Sport-Spiel-Spaß-Tag
- 1.250 Euro gehen an das Jugendhaus Wiesenhügel für „Starke Kids“
- 700 Euro erhält das Pixel Sozialwerk für den Kidstreff am Roten Berg
- 1.050 Euro gehen an die Fuchsfarm für „Graffiti im Grünen“
Über das Projekt „Starke Kids” hieß es von den Kindern: „Die Idee mit der Reise für Kinder fanden wir richtig gut – damit sie auch mal was anderes erleben.“ und weiter: „Es können dann auch Kinder Urlaub machen, die sonst zuhause bleiben müssten.“
Zum Kidstreff am Roten Berg hieß es: „Das ist eine schöne Idee, wo sich Kinder treffen, Freundschaften schließen und sich gegenseitig unterstützen können.“ und „Gerade Kinder, die es zuhause schwer haben, brauchen so einen Ort zum Ausprobieren und Austoben.“
„Die Kinder haben sehr klar gesagt, was ihnen wichtig ist – und dabei unglaublich differenziert diskutiert“, resümieren Drawz und Knothe. „Es ging ihnen nicht nur um einzelne Angebote, sondern darum, wie echte Unterstützung im Alltag aussieht.“
Der Kinderbeirat Erfurt tagt zweimal jährlich. Eine Anmeldung als Mitglied ist für Kinder und Jugendliche fortlaufend möglich. Vereine und Initiativen können ab September 2026 wieder Förderanträge einreichen.
Zum Hintergrund
Der Kinderbeirat Erfurt wurde gegründet, um Kinder und Jugendliche an soziales Engagement heranzuführen und gemeinsam mit ihnen Kinderhilfsprojekte zu unterstützen. Träger ist die BürgerStiftung Erfurt in Kooperation mit Children for a better world e.V. und Affirmative. Zweimal jährlich entscheiden die Kinder in einem partizipativen Prozess über die Förderung sozialer Projekte. Dabei lernen sie unterschiedliche Notsituationen, Lösungsansätze sowie ein breites Spektrum sozialer Organisationen kennen. Weitere Informationen zum Kinderbeirat Erfurt: www.buergerstiftung-erfurt.de/kinderbeirat-erfurt.de.